Willy Illmann, von Eckhard Illmann (Januar 2007)

Willy Illmann war der letzte Lehrer der Dorfschule in Pr. Rosengart. Sein Sohn Eckhard, der heute in Westfalen lebt, hat folgenden Text verfasst:

Mein Vater Willy Illmann wurde am 18.10.1895 in Bischofswerder, Kreis Rosenberg, geboren. Sein Vater war ‘Baumeister’ (so nannte man es damals) mit eigenem Bau- geschäft in Bischofswerder, ein kleines Städtchen mit ca. nur 3000 Einwohnern. Die Vorfahren stammen aus Lautenburg, Kreis Straßburg, Westpr. (bis 1920).

Nach Abschluss der Volksschule Besuch der Präparanden-Anstalt mit Internat in Löbau (auch Westpr.). Dann auf das ‘Königliche Lehrerseminar zu Löbau’. Zwischendurch kam der 1. Weltkrieg und mein Vater wurde Soldat, um danach als Vizefeldwebel entlassen zu werden.

Seine erste Stelle als Lehrer war in Sommerau an der Nogat, auch im Kreis Marienburg.

Am 9.6.1927 haben er und meine Mutter Luci Schwonke (aus Adlig Peterwitz, Kreis Rosenberg) geheiratet.

Am Ende der 20er Jahre kam er als Lehrer nach Pr. Rosengart, zuerst noch in der alten Schule, dann in der neuen.

Neben seiner Tätigkeit als Volksschullehrer an der einklassigen Schule, worin das 1. bis 8. Schuljahr unterrichtet wurde, gab er Unterricht in der Landwirtschaftlichen Berufsschule.

Er war zudem Vertrauensmann der Kreisbildstelle und somit für Filmvorführungen (8mm Schmalfilm) auch an anderen Schulen verantwortlich. Lange Jahre bis 1945 war er auch Standesbeamte für den Amtsbezirk Stalle.

Sein großes Hobby war die ‘Melodia’, nicht nur das Singen und Musizieren, sondern auch das Theaterspielen sowie Organisieren.

1939 mußte er dann Soldat werden, wurde aber nach dem Polenfeldzug als Spieß entlassen. Es gab eine Verfügung, nach der sich Weltkriegsteilnehmer befreien lassen konnten.

Wieder zu Hause mußte er auch die Schulen in Alt-Rosengart und Thörichthof mit betreuen, weil die dortigen Lehrer eingezogen waren.

Bis wir am 22 Januar 1945 mit Pferd und Wagen auf die Flucht gingen – über die Nogat weiter über die Weichsel bis nach Mehlem im Kreis Karthaus. Dort waren für uns schon Quartiere vorbereitet, bis wir wieder nach Hause fahren konnten…hieß es.

Weil aber die Front immer näher kam, sind wir weiter nach Westen gefahren. Am 9. März hat uns dann die russische Armee überrollt. Es war in der Nähe von Glowitz im Kreis Stolp in Pommern. Wir haben dann in Warbelin bei einem Bauern Unterkunft gefunden. Dort ist dann zu meiner Schwester Gerlinde und Bruder Jürgen noch mein jüngster Bruder Gernot geboren. Außerdem hatten wir noch einen 12jährigen Jungen aufgelesen, der seine Eltern verloren hatte; es war der Sohn des Lehrers Schulz aus Markushof.

Bis Juli 1946 sind wir dort geblieben. Von dort dann mir vielem Bitten und Betteln sowie Bestechung mit dem uns noch verbliebenen Besitz aus Kleidung, Bettwäsche und sonstigen Wertgegenständen mit Pferdewagen und Bahn bis Stettin gekommen. Dort bei Wasser und Brot 4 Wochen bei den Polen im Lager verbracht. Von hier aus mit der Eisenbahn über Hamburg ins Lager Uelzen. Von dort in mehreren Stationen Ankunft August 1946 in Marienberghausen.

Nach überstandener Krankheit und Entnazifizierung erhielt mein Vater Ende 1948 seine erste Anstellung als Lehrer. Er war zuletzt in Köln-Mühlheim tätig und ist dort am 23.5.1959 verstorben.

Wie es in der Schule war…

Zu Beginn der Schule wurde meist ein gemeinsames Lied gesungen, z.B. ‘Der mächtigste König im Luftrevier’, ‘Üb’ immer Treu und Redlichkeit’, ‘An der Saale hellem Strande’, ‘Stimmt ein mit hellem Klang’.

Wenn mein Vater den Unterrichtsraum verlassen mußte, z.B. wegen Pflichten im Standesamt, wurde ein älterer Schüler bestimmt, der vorne an der Tafel stand und alle eventuellen Ruhestörer aufschrieb, denn alle hatten vorher eine Beschäftigung erhalten.

Eine besondere Auszeichnung war es, jeden Morgen die Außentemperatur und den Luftdruck abzulesen und auf ein Diagramm zu übertragen.

Auch aus dem gegenüberliegenden Kinderheim kamen vereinzelt Kinder in die Schule, obwohl dort auch ein Schulunterricht stattfand. Mit dem ganzen Haus bestand ein sehr gutes Verhältnis. Die dortige Schulschwester, auch eine ausgebildete Lehrerin, halfen sich gegenseitig aus.

Das unten zu sehende Frl. Hoffmann gab zeitweise Unterricht in Hauswirtschaft, Handarbeit und Turnen für die Mädchen, während die Jungen flugfähige Segelflugzeuge und Drachen bauten.

Alle anderen Fächer wie z.B. Deutsch, Rechnen, Biologie, Erdkunde, Geschichte, Musik (mein Vater spielte Klavier und Geige) und Heimatkunde unterrichtete mein Vater.

Lucie und Willy Illmann mit ihrem Dixi vor der alten Schule, um 1928
Lucie und Willy Illmann mit ihrem Dixi vor der alten Schule, um 1928
Willy Illmann mit Fräulein Hoffmann und zwei Studenten vor der neuen Schule, 1930er Jahre
Willy Illmann mit Fräulein Hoffmann und zwei Studenten vor der neuen Schule, 1930er Jahre
Bildverweis aus dem Dokument

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