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BILD: Glockenturm
Der Glockenturm mit seinen drei Glocken neben der Mennonitenkirche in Pr. Rosengart gehörte zum Dorfleben und doch hat er eine besondere Geschichte.
Ein bäuerlicher Junggeselle, sein Name vielleicht Claaßen (genaue Angabe kann ich leider nicht machen), der in Otto Neufeldts Hof oder in dem kleinen Häuschen daneben um die Jahrhundertwende gewohnt hat, wollte sein Vermögen der Mennonitengemeinde vermachen. Doch er hatte einen Wunsch: Das Geld sollte zum Bau eines Glockenturms verwandt werden. Leider war es den Mennoniten nicht gestattet, neben ihren Kirchen ein Glockengeläut zu haben und damit begannen die Schwierigkeiten für Bauer Claaßen. Im evangelischen Pfarrer Warm in Stalle hatte er einen Freund gefunden, der ihn in seinem Vorhaben tatkräftig unterstützte, so dass die kirchlichen Behörden schließlich ihre Einwilligung gaben und der Wunsch von Bauer Claaßen erfüllt werden konnte. So kam unsere Mennonitenkirche, damals wohl als einzige in der Welt, zu einem dreistimmigen Glockengeläut. Wir, die wir in Preußisch Rosengart geboren und aufgewachsen sind, können uns das Dorfleben ohne Glockenturm gar nicht vorstellen.
Jeden Abend läutete eine Glocke den Feierabend ein. Im Sommer, wenn es lange hell war, um 19 Uhr und im Winter schon um 16 Uhr! Am Sonnabend läuteten alle 3 Glocken den Sonntag ein, ebenfalls vor uns nach jedem Gottesdienst läuteten alle drei Glocken.
War jemand in unserem Dorf gestorben, wurde mit allen 3 Glocken in 3 Abständen geläutet, die Konfession spielte keine Rolle. Volles Geläut in 3 Abständen erklang auch, wenn in einem anderen Ort jemand gestorben war, sofern er zu unserer Mennonitengemeinde gehörte. Zuhause hieß es dann: „Lauf mal schnell zum Glockenturm und frag, wer gestorben ist.“
Einmal hat es mich doch sehr getroffen. Als ich zufällig in der Nähe des Glockenturmes war und neugierig fragte, wer denn gestorben sei, da war es unser Opa! Er war ganz plötzlich eingeschlafen.
Jeden, der auf unserem Dorffriedhof begraben wurde, begleitete das Glockengeläut auf seinem letzten Wege. Auch jedes Brautpaar grüßten die Glocken bei Eingang zur Trauung in die Kirche und beim Verlassen der Kirche.
Die mir bekannten Kirchendiener waren Dau, Breitfeld und Collin, die auch für das Glockenläuten zu sorgen hatten. Natürlich mussten die Glocken noch mit Seilen bewegt werden. Helfer fanden sich immer schnell ein. Ich glaube, es hat bald jeder Junge im Dorf mal beim Läuten geholfen. Ich hab’s als Kind auch mal versucht, doch mir war es ein bisschen unheimlich, weil ich dabei in die Höhe gezogen wurde.
Silvester haben die Dörfler selbst das Jahr 1945 eingeläutet – sicher mit einem hoffenden und einem wehen Herzen.
Wie ich gehört habe, sollen die Glocken nach dem Kriege nach Elbing gekommen sein. Das Dach des Glockenturms war eingefallen. Später hat man angeblich eine Glocke zurückgebracht.
Aber das vertraute Glockengeläut der Heimat ist verstummt.

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BILD: ElseLaub