

Bildverweis aus dem Dokument
Bilder: portal3 & portal93
Im Mai 2006 besuchte ich – zusammen mit meiner Schwester und meinem Vater – die “alte Heimat” meines Vaters im ehemaligen Westpreußen, dem heutigen Nordpolen. Bislang hatten wir nur von Erzählungen ein grobes Bild von Preußisch Rosengart. Wir wussten von Fotos, wie das Haus der Familie aussah und wir wussten, dass unser Großvater auf dem dortigen Friedhof beerdigt wurde.
Entsprechend suchten wir auch diesen Friedhof auf. Er liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu der Dorfkirche. Mein Vater erwähnte schon früher, dass der Friedhof nach dem Krieg verwüstet wurde, jedoch war der Anblick sehr erschütternd. Von den Gräbern sind zum Großteil nur die Einfassungen und Fundamente der Grabsteine erhalten, überall wuchert Unkraut, wachsen Bäume, teilweise befindet sich Abfall auf den Gräbern und das Eingangsportal lag umgestürzt auf dem Erdboden.
Gerade dieser letzte Punkt war besonders alarmierend, da das Portal bislang einigermaßen unbeschadet war (siehe obenstehendes Bild aus dem Jahre 1993) ; es sah so aus, als wäre der Friedhof demnächst völlig verloren.
Auf der anderen Seite schien das Unterholz teilweise entfernt worden zu sein – vielleicht sollte der Friedhof demnächst ganz eingeebnet werden?
Dieser Gedanke beschäftigte mich fortan und schnell entwickelte sich der Gedanke und der Wunsch, diesen Friedhof zu retten und den dort Bestatteten eine würdevolle Ruhestätte zu geben.
Ich schrieb viele E-Mails und Briefe, immer auf der Suche nach Unterstützung, aber auch Informationen. Ich wandte mich zuerst an die polnischen Behörden (Kreis und Gemeinde). Postwendend bekam ich ein sehr freundliches Schreiben vom Gemeindeamt und seinem damaligen Gemeindebürgermeister (‘Woijt’) Alexander Lewicki.
Im September 2006 schließlich trafen wir Herrn Lewicki in Gronowo (Grunau). Die Gemeinde selbst unterstützt eine Restaurierung des Friedhofs, jedoch ist sie finanziell eingeschränkt. Allerdings erfuhren wir in unserem Gespräch mit Herr Lewicki, dass sich in Elbing eine Stiftung (‘Pobog’) konstituiert hat, die – in Absprache mit dem Denkmalschutzamt in Elbing – die Restaurierung des Friedhofs vorantreiben will.
Ein völlig neuer Aspekt ergab sich damit für das Projekt – überraschend und hoffnungsweckend.
Dank der Vermittlung von Herrn Lewicki war es möglich, drei Mitglieder der Stiftung am nächsten Tag – wiederum in Gronowo – zu treffen.
Das Gespräch war sehr konstruktiv. Einer der anwesenden Stiftungsmitglieder stammt selbst aus Rozgart.
Zunächst war von Stiftungsseite aus geplant, die Einzäunung und das Eingangsportal des Friedhofs zu erneuern, um dann schrittweise den Friedhof selbst zu restaurieren; die ersten Arbeiten hatten im September bereits begonnen.
Wir haben uns schliesslich darauf verständigt, dass wir, als ehemalige Einwohner und deren Nachkommen, einen Beitrag in Form einer Gedenktafel für die dort ruhenden Toten (in Deutsch und Polnisch) leisten wollen.
Am 5. Juni 2008 fand schließlich – im Rahmen einer großen Feier – die Einweihung des wiederaufgebauten Portals sowie die Enthüllung der Gedenktafel statt. Ein Stück der Vergangenheit konnte so bewahrt werden.



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